Wir saßen im Auto auf dem Weg zum Flughafen Faro. Während der Fahrt kam mir der Gedanke: „Ist das jetzt das letzte Mal, dass ich sie hier zum Flughafen bringe?“ Meine Schwester hat Lungenkrebs und da er schon metastasiert, sind die Heilungschancen – statistisch gesehen – nicht so toll.
Im November letzten Jahres war ich in Portugal. Meine Mutter lebt dort und ich fahre regelmäßig hin um sie zu besuchen und natürlich auch, um die schöne Gegend zu genießen und Urlaub zu machen. Meine Schwester war dieses Mal auch da, für drei Wochen. Wir hatten eine sehr, sehr schöne Zeit und sie war traurig, als sie nach Hause musste, um ihre nächste Immuntherapie zu bekommen.
Sie hat die Diagnose jetzt schon seit 1 ½ Jahren und hält sich super tapfer. Das ganze Programm: Chemo, Bestrahlung, Immuntherapie.
Weihnachten haben wir hier in Deutschland zusammen verbracht. Was sich erst seit den letzten 3 Jahren wieder eingebürgert hat, weil sie vorher über 30 Jahre mit ihrem Mann und später auch mit ihrer Tochter in Italien gelebt hat. Vor 3 Jahren hat sie sich dann getrennt und den großen Schritt zurück nach Deutschland gemacht.
Ihre Tochter war zu den Feiertagen auch da, sie ist extra aus Italien gekommen. Zusammen mit unserer jüngsten Schwester und ihren Kindern haben wir alle zusammen sehr schöne, besinnliche Tage verbracht.
Zwischendurch hat sich bei mir dann aber wieder der Gedanke eingeschlichen: „Ist dieses Mal das letzte Weihnachten, das wir zusammen verbringen dürfen?“
Ich habe Angst meine Schwester zu verlieren! Ich möchte nicht, dass es ihr schlecht geht! Wir lieben uns sehr und es ist so schön für mich, sie nach so langer Zeit wieder viel öfter sehen zu können und Zeit mit ihr zu verbringen.
Sie lebt nach dem Motto: „Sei aufs Schlimmste vorbereitet und hoffe auf das Beste!“ Puh, ist nicht leicht!
Ich hatte vor 2 ½ Jahren selbst Brustkrebs, der aber zum Glück gut behandelt werden konnte. Trotzdem bin ich mir in dieser Zeit meiner eigenen Sterblichkeit viel bewusster geworden. Das will erstmal verarbeitet werden, aber irgendwann rücken die Gedanken dann auch wieder in den Hintergrund. Bis man wieder durch ein weiteres Ereignis, ein Gespräch, oder in diesem Fall die Krankheit meiner Schwester, erinnert wird.
Dieser Gedanke: „Ist das vielleicht das letzte Mal“ auch wenn er mir Angst macht, lässt er mich diese gemeinsame Zeit viel intensiver erleben. Sowohl die glücklichen als auch die traurigen Momente.
Ohne die Diagnose wäre dieser Urlaub im November, dieses Weihnachten und im Grunde jeder einzelne Tag ein anderer gewesen. Weniger bewusst, weniger intensiv. Durch ihre Krankheit wird mir wieder sehr deutlich, wie vergänglich alles ist.
Also: CARPE DIEM! Ich versuche, mich jeden Tag daran zu erinnern, dass Zeit mit meiner Familie und Freunden sehr kostbar ist.
Voraussagen kann dir keiner, wie viele Weihnachten und Urlaube du und deine Lieben noch gemeinsam erleben werden. Also ist es vielleicht gar nicht so verkehrt, sich zwischendurch mal zu fragen: „Ist das jetzt das letzte Mal, das wir …?“ Und vielleicht spüren wir dann wieder noch intensiver die schönen und auch schlechten Zeiten mit unseren Lieben.
Quelle Bild: Foto von der Autorin erstellt





