Wieder auferstehen

Autor: Bianca Von berg
Wieder aufstehen - Höhle mit einem Stein davor

Reiß Dich mal zusammen!

Immer wieder stoße ich auf den Spruch „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen“.

Er begegnet mir auf Facebook, Instagram, in Läden als Bild mit Rahmen, als Postkarte.
Und so sehr ich ihn auch verstehe in dem, was er uns sagen will
– das Leben geht weiter nach einer Krise – so sehr finde ich ihn auch einfach falsch.
Denn er vermittelt uns etwas, das wir viel zu oft vermittelt bekommen: „Reiß Dich mal zusammen.“
Aber Zusammenreißen geht nicht immer, muss auch nicht gehen und manchmal macht es nur alles schlimmer.
Es ist nicht immer alles Gummibärchen- Zuckerwatte.

 

Es gibt Phasen im Leben, die sind schlimm und schmerzhaft.

Man geht durch eine Krise, eine dunkle Zeit. Vielleicht, weil man einen geliebten Menschen verloren hat – in der Familie, im Freundeskreis, weil man eine Trennung hinter sich hat, die Arbeit verloren hat oder aus irgendeinem anderen Grund.
Krisen gehören zum Leben.
Doch auch wenn wohl kaum einer in seinem Leben davor geschützt werden kann, ist es nicht okay, ihm abzuverlangen, dass er sich schnell wieder aufrappeln müsse, da das Leben nun mal so sei.

Jeder in seinem Tempo.

 

Krisenzeiten sind auch Zeiten der Einkehr,

in denen man wieder zu sich finden muss, in denen man sein Leben überdenkt, sich neu findet, sich neu positioniert.

Wer einen Verlust erlebt hat, muss lernen, sein Leben ohne diesen einen Menschen weiter leben zu können.
Der Alltag ändert sich und man braucht Zeit, sich darauf einzustellen.
Trauer, Unglück, Schwermut sind nicht einfach abzuschütteln und es hat einen Sinn, dass wir nach Abschieden verschiedene Phasen durchmachen, die einen Menschen wieder zurückbringen in das alltägliche Leben – aber nach seinem eigenen Tempo.

 

Warum gestehen wir heute anderen Menschen nicht diese Ruhepause zu?

Warum muss immer alles schnell weitergehen?
Schnell zurück ins alte Leben, schnell nicht mehr trauern, schnell wieder funktionieren.

Und wo bleibt in diesem Spruch eigentlich die Zuwendung, die Hinwendung zum anderen. Denn wenn wir durch eine schwere Zeit gehen, dann tut es gut, Menschen an der Seite zu haben.

Mehr Gnade, mehr Wohlwollen miteinander.

 

Ich wünsche mir, dass wir den Menschen um uns mehr Zeit geben würden, um ihre Wege zu gehen.

Dass wir Sätze wie „Deine Mutter war ja auch schon sehr alt und krank. Du musst Dich damit abfinden und nach vorne blicken“ oder „Da hilft kein Weinen, reiß Dich zusammen, sonst findest Du nie einen neuen Job“ nicht mehr sagen.

Dass wir nicht erwarten, dass jeder nach einem Fall sofort wieder aufspringen muss, um sein Ansehen wieder herzustellen und weiter zu gehen.

Ich wünsche mir, dass es Menschen gibt, die einen Fall wahrnehmen,
die beim Aufstehen helfen und nicht erwarten, dass man eine Krone trägt,
sondern den Kopf in ihre Hände nehmen und sagen:
„Ich bin hier, ich helfe Dir.“

 

Definition Auferstehung:

„Die christliche Vorstellung von Auferstehung ist, dass Körper und Geist, Leib und Seele in irgendeiner Form nach dem Tod miteinander verbunden bleiben. Diese Untrennbarkeit ist in der Schöpfung begründet ….“

So mach dir heut nochmal bewusst: Du darfst alles sein, was Du bist und was Du fühlst.

Und Du darfst dir deine Zeit nehmen, Leib, Geist und Seele wieder zueinander zu bringen.

Du darfst dir in deinem Tempo den Dreck von den Schultern klopfen und wieder AUFERSTEHEN.

 

Bildquelle: Grab, Ostern, Stein, Pixabay (CC-0)

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