Kein Abzeichen fürs Leben – aber Vertrauen, das trägt

Autor: Andrea und Volker Siegert

Erinnerst du dich noch an deine ersten Schwimmversuche? An dieses vorsichtige Gleiten durchs Wasser, begleitet von Unsicherheit und dem leisen Zweifel, ob dich das Wasser wirklich trägt.

 

Freischwimmen: Abzeichen des Vertrauens

 

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich als kleines Mädchen schwimmen lernte. Der Moment, in dem ich mein Freischwimmer‑Abzeichen erhielt, war für mich etwas ganz Besonderes. Ich war stolz. Nicht nur, weil ich fünfzehn Minuten im tiefen Wasser geschwommen war oder den Sprung aus einem Meter Höhe geschafft hatte, sondern weil dieses Abzeichen sichtbar machte, was ich mir Stück für Stück erarbeitet hatte, mit Mut, Übung und Vertrauen.

 

Damals bedeutete mir das Abzeichen mehr als eine offizielle Bestätigung meiner Schwimmkenntnisse. Es gab mir das Gefühl: Ich kann das. Ich halte mich selbst über Wasser. Erst als ich gelernt hatte, dem Wasser zu vertrauen, konnte ich mich wirklich tragen lassen.

 

Viel später habe ich erkannt, wie sehr mich diese Erfahrung auf etwas viel Größeres vorbereitet hat. Auf das Leben selbst.

 

Im Leben gibt es kein Freischwimmer-Abzeichen. Niemand reicht mir eine Urkunde, wenn ich eine schwierige Phase überstehe, eine Entscheidung treffe oder innerlich wachse. Fortschritt zeigt sich hier nicht in sichtbaren Zeichen. Er passiert leise. In Momenten, in denen ich merke, dass ich stärker geworden bin. In Erfahrungen, die mich geprägt haben. In dem wachsenden Vertrauen in mich selbst.

 

Was wirklich trägt

 

So wie ich beim Schwimmen lernen musste, mich dem Wasser anzuvertrauen, lerne ich im Leben, mir selbst Halt zu geben. Auch hier gibt es Phasen der Unsicherheit, der Angst vor dem „tiefen Wasser“. Und auch hier braucht es Übung, Mut und die Bereitschaft, sich einzulassen.

 

Während das Freischwimmer‑Abzeichen meinen Fortschritt damals für alle sichtbar machte, erkenne ich meinen persönlichen Entwicklungsweg heute an meinem inneren Wachstum. An dem Gefühl, unabhängiger zu sein. An der Gewissheit, meinen eigenen Weg gehen zu können, auch ohne Applaus von außen.

 

Vielleicht ist das genau das eigentliche Abzeichen des Lebens: das stille Wissen, sich selbst zu vertrauen.

 

Autorin: Andrea Siegert, Bildquelle: Pixabay

 

Andrea und Volker Siegert

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