Wieder Donnerstag, wieder Meditation im Dalmanuta Raum.
Seit Stunden regnet es, was nicht gerade zu meiner Stimmung beiträgt.
Ich bin total müde, bin ich doch erst vor kurzem, nach einem langen und intensiven Arbeitstag nachhause gekommen. Die Couch ruft und es ist nicht leicht, dem Ruf zu widerstehen. Aber ich schaffe es und mache mich durch den Regen auf zur Kirche. Im Auto erwische ich mich bei dem Gedanken: „Vielleicht kommt ja niemand, dann kann ich schnell zurück.“
Zwischen Anspruch und Erschöpfung
An der Kirche angekommen, treffe ich sogleich die erste Teilnehmerin. Also nichts mit: „Schnell wieder zurück.“
Freudig begrüßen wir uns und gehen gemeinsam rein.
Nach und nach treffen weitere Menschen ein, die Platze nehmen wollen, um Frieden zu schließen, „Ja“ zu sich zu sagen und dem Leben ihren Respekt entgegenbringen möchten.
Das sind jene Menschen, die die Meditation im Dalmanuta Raum bereits kennen.
Und dann sehe ich zwei weitere Menschen. Eine Frau und einen Mann, ein Paar, wie mir scheint. Ihre Gesichter habe ich noch nie gesehen. Sie sind das erste Mal dabei.
Ich merke einen Druck in mir. Diesen Druck, der aus dem Wunsch entsteht, heute eine besonders gute Medi zu machen, damit die zwei neuen wiederkommen. „Ausgerechnet heute.“ denke ich. Ausgerechnet heute, wo ich doch so müde bin und scheinbar so wenig mit mir selber und allem, was ist, im Kontakt.
Der Beginn eines besonderen Abends
19 Uhr, ich beginne mit der Meditation.
Recht schnell höre ich Füße scharren und andere Geräusche, die daher rühren, wenn jemand auf seinem Platz unruhig ist.
Den Druck in mir deutlich spürend kann ich mich nur schwer von dem Gedanken lösen, dass ich es heute wohl nicht ausreichend gut machen werde.
Um die Nervosität nicht siegen zu lassen, gehe ich mit meiner Aufmerksamkeit in meinen Bauch und achte auf meinen Atem. Das hilft mir dabei mehr ins Vertrauen zu kommen und mich von den hinderlichen Gefühlen zu befreien.
So gelingt es mir, mich selber den Worten, die bei meinem Impuls aus meinem Herzen kommen, hinzugeben und mich nicht von den Geräuschen scharrender Füße abbringen zu lassen.
Und dann, bei der Station im „Raum der Würde“, in der gefragt wird: „Was gibt es jetzt in deinem Leben, wofür du dankbar sein kannst?“, wusste ich, dass ich es ausreichend gut machte!
Denn ich hörte sie, jene Frau, die zum ersten Mal dabei war, „Danke“ sagen. Dieses „Danke“ galt dem Mann, der neben ihr saß.
Am Ende, nachdem wir alle unser Zeichen des Respekts machten und die Augen sich langsam wieder öffneten, konnte ich sie sehen – ihre Tränen.
Und ich konnte die Quelle der Geräusche erkennen, die mich zuvor verunsicherten.
Es waren die Taschentücher, die der Mann aus seiner Jacke gezogen hatte, um sie ihr zu geben.
Wo Worte enden und Begegnung beginnt
Einem Impuls folgend setze ich mich neben die Frau. Ich legte meine Hand auf ihren Rücken und sah sie an. Nach einer kurzen Zeit entschuldigte ich mich, mit einem Lächeln im Gesicht, für meine vermeintliche Übergriffigkeit.
Sie gab mir eindeutig zu verstehen, dass sie es nicht als übergriffig empfand. Und noch bevor ich meine Frage, ob ich noch etwas mehr übergriffig sein darf, fertig ausgesprochen hatte, lag sie schon in meinem Arm.
Wir sprachen kein Wort.
Ich hielt sie und unser Atem synchronisierte sich.
Ich spürte, wie sie leichter wurde, wie die Spannung aus ihren Schultern wich, wie sie losließ.
Für einige Augenblicke war keine Trauer mehr da, nur ausruhen, anlehnen, loslassen, Frieden.
Nach einer Weile lösten wir die Umarmung und lächelten uns an.
In dieser Umarmung waren sich zwei fremde Menschen in Reinheit begegnet und so vertraut, wie es Liebende nur sein können.
Glücklich, erfüllt und überhaupt nicht mehr müde fuhr ich nach Hause und in mir hallte der Satz:
„Wo zwei sich in meinem Namen treffen, bin ich mitten unter ihnen.“
Das ist der Dalmanuta-Raum. Ein Treffpunkt, wo sich in Liebe begegnet wird – Begegnung mit sich selbst, dem anderen und dem Leben.
Mein Fazit: Geh gerade dann durch den Regen los, wenn du meinst, es heute nicht zu können!
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