Berührt

Autor: Anne Ronshausen
Berührt

In meiner Tätigkeit als Krankenschwester in einem palliativen Konsiliardienst im Krankenhaus habe ich tagtäglich mit schwerstkranken Menschen zu tun.
Im stressigen Treiben des Krankenhausalltages versuchen meine Kolleginnen und ich Wohlbefinden und Lebensqualität zu schaffen – zu berühren.
Und Berühren ist hier im doppelten Sinne gemeint.

Wir arbeiten mit ätherischen Ölen, Einreibungen, Zeit schenken – die so oft nicht da ist.

Vor kurzem hat ein älterer Herr mir wieder bewusst werden lassen, dass eine körperliche Berührung nicht einfach nur eine körperliche Berührung ist.

Dem anderen wirklich offen zu begegnen heißt, ihm den Moment zu widmen – mehr als nur durch ein nettes Wort oder einen kurzen Augenblick.

Dass, wenn ich offen dem Gegenüber bin und präsent, ich auch jedes Mal berühre.
Und berührt werde.

Körperlich und seelisch.


Der ältere Herr hatte einen Schlaganfall mit Schluckstörungen. Uns wird im Vorfeld berichtet, dass er kaum auf Ansprache reagiere und desorientiert scheine.
Besuch bekomme er auch nicht, er sei bereits verwitwet.

Er liegt alleine, schlafend in seinem Zimmer, als meine Kollegin und ich ihn besuchen.
Er öffnet die Augen, als ich ihn anspreche.

Sofort wirkt er interessiert, nimmt meine Hand und beginnt sie zu streicheln.

Wir beginnen ein Gespräch, und er berichtet uns von Schmerzen im Rücken.
Meine Kollegin und ich beschließen, ihm eine Rückeneinreibung zukommen zu lassen.
Er dreht sich zu mir – und umarmt mich.
Ich merke, wie ruhig er wird und wie er die Umarmung und Zuwendung zu genießen scheint.

Nach der Einreibung nehmen wir uns noch Zeit und setzen ihn im Bett auf, damit er etwas trinken kann.
Im Sitzen hat er die Gelegenheit, aus dem Fenster zu schauen, und beginnt begeistert von früher zu erzählen.

Seine Augen strahlen.
Er hat sichtlich Freude – eine Freude und auch Dankbarkeit, die auch meine Kollegin und ich erfahren dürfen.


Wie oft sind wir so sehr in unserem Alltag und unseren Routinen gefangen,
dass wir gar nicht bemerken, wie wir berührt werden – und selbst berühren?

Ich möchte dich einladen, wieder genauer hinzuschauen – offen zu sein, präsent zu sein.


Offen und präsent.

Offen ist die Empathie und Zuwendung:
Ich wende mich meinem Gegenüber zu, nehme ihn an.

Präsenz ermöglicht dir, anwesend zu sein im jetzigen Moment –
ohne Vergangenheit und Zukunft.

Schau gerne mal hin auf die Offenheit und die Präsenz.

Und möglicherweise darfst du auch überrascht sein,
wer oder was dich da alles berührt – oder von dir berührt ist.

 

Bildquelle: Hospiz Pflege Geduldig – Kostenloses Foto auf Pixabay, CC-0, 18.1.2026

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