Dalmanuta-Prinzip? Dalmanuta Meditation?
Aha! War mir tatsächlich nicht geläufig. Obwohl der Begriff „Dalmanuta“ in der Bibel vorkommt (Mk 8,10.), ich also – als christlicher Seelsorger im Maßregelvollzug/Forensik – ihn hätte kennen können.
Als eine Ortsbezeichnung im Kontext des frühen Wirkens eines gewissen Jesus aus Nazareth. Und wie die Netz-Suche ergeben hat, ranken sich durchaus Geschichten von Menschen um diesen Ort. Die prominenteste Person aus der Gegend um Dalmanuta ist die wohl engste Vertraute Jesu, eine Wegbegleiterin – vielleicht auch noch mehr? – mit Namen Maria aus Magdala/Dalmanuta.
In den apokryph gemachten Evangelien (Petrus, Maria, Thomas u.a.m.) ist sie mit Abstand die wichtigste Frau an Jesu Seite. Manche nennen sie die „Apostelin der Apostel“.
Daneben bietet Dalmanuta viel Raum für Spekulationen und Spiritualitäten.
Aber was erzähle ich hier? Und wem? In diesem Blog ….
Was mich an Dalmanuta berührt?
Mein Kontakt mit der nach Dalmanuta benannten Meditationstechnik erfolgte auf meiner Arbeit in
der Berliner Forensik.
Eine engagierte Arbeitskollegin bietet dort regelmäßig 30-minütige Meditationen für Bedienstete zum Schichtwechsel an. Über meinen katholischen Kollegen, er ist wie ich Seelsorger im gleichen Institut, erfuhr ich von ihrem Angebot. Er klang sehr angetan. Also wollte ich da auch hin. Mal schauen, was so geboten wird?
Biblisch gesprochen begegnet mir ein „… gerütteltes, überfließendes Maß“ (Lk. 6,38) an Wertschätzung. Fast könnte ich sagen an kollegial-geschwisterlicher „Liebe“, wenn es denn so etwas
in Arbeitskontexten überhaupt geben kann. Und „by-the-way“: In unserem Arbeitsfeld jedenfalls ist
Wertschätzung ausgesprochene Mangelware.
Umso mehr freue ich mich, hier genau das zu erleben, nämlich Wertschätzung, in einem sonstigen „Dschungel“ von Arbeitsstress, Überforderungen und kollegialer Fremdheit.
Ich selbst kann bei Dalmanuta gut anknüpfen an eigene Erfahrungen mit Übungen, die ich als
Gefängnisseelsorger jahrelang für Inhaftierte angeboten habe.
Dabei ging es an diesem für solcherlei Praxis ungewöhnlich erscheinenden Ort darum, „Stille im Gefängnis“ als innere Befreiung erlebbar zu machen. Es ging darum, durch „Sitzen und Gehen im Schweigen“ sich selbst, erstmals oder auch erneut, „auf die Spur“ zu kommen.
Meine eigenen Meditationserfahrungen reichen zurück bis in die 1970er Jahre, als ich
erstmals der Kommunität von Taizé begegnet bin.
Als Jugendliche aus aller Welt erlebten wir ein Konzept glaubwürdigen Betens und Handelns. Ich war begeistert von „Kampf und Kontemplation“ (Taizé 1973).
Vergleichbares spüre ich, wenn ich bei Dalmanuta „nicht Rückzug, sondern Hinwendung“ erfahre.
Und mir geht das Herz auf, wenn ich am Donnerstagmittag beim Schichtwechsel begrüßt werde mit den Herzens-Worten: „Komm her zu mir, nimm Platz! Und bleibe!“
Mit Patient*innen in der Forensik feiern wir Seelsorgenden ökumenische Gottesdienste auf
den Stationen. Wir singen dort auch von einem „… erwarten wir getrost, was kommen mag“ (aus
Bonhoeffers Gedicht „Von guten Mächten“, Tegel 1944). Wir wollen die zu begleitenden Menschen
und uns selbst aufbauen. Vielleicht gelingt es manchmal, abzuwägen zwischen „widerstehen“ auf der
einen Seite, und dem, was Dietrich Bonhoeffer sich „ergeben“ nennt.
Mich dabei auch noch tiefgehender auf die Meditation nach Dalmanuta einzuschwingen, bereichert
ungemein. Es festigt auf lustvolle Art die Richtung, in der ich mein Leben gestalten möchte. Ich
möchte daher gerne danke sagen, liebe Antje.
Thomas-Dietrich Lehmann, Ev. Seelsorge im KMV Berlin, den 22. März 2026
Quelle Bild: privates Foto des Autors





