Lebst du deinen Traum?

Autor: Ines Reich
Lebe deinen Traum

Oder träumst du dein Leben?

Ja, ganz schön ausgeleiert, diese Frage! Wir reden es schnell so daher: Du kannst alles machen, was du dir auch erträumst! Du musst nur daran glauben! Mach den ersten Schritt – dann wird’s schon … wenn es nur so einfach wäre! Erst noch muss ich … mein Leben leben.
Als Kind hatte ich noch eine große Welt voller Träume und Bilder, die ich mit meinen Fantasien gefüllt habe. Ich habe sie auch jedem mitgeteilt. Das wurde oft belächelt und so behielt ich diese Welt für mich. Aber immerhin, ich bewahrte sie mir, denn das war eine gute Welt, in die ich mich zurückziehen konnte!

Der Prinz auf dem weißen Pferd

Als ich sehr jung war, spielten in meiner Welt Prinzen auf weißen Pferden eine große Rolle, ich wurde aus dem verwunschenen Reich gerettet und lebte fortan an einem friedlichen Ort. Oder: Ich war plötzlich eine Königin, aber eine der Herzen, und verbündete mich mit den armen Kindern … und so weiter.
Später, als Heranwachsende, hatten die Träume eher etwas mit Suchen und Finden zu tun. Ziemlich irritiert über das, was ich in der Schule über die Judenverfolgung erfuhr, träumte ich von einem Land, in dem es keinen Hass und keine Verfolgung gab. Ich suchte im Außen – zum Beispiel in der Kirche, ließ mich taufen und konfirmieren, fand auch viele tolle Menschen, aber nicht das, was ich suchte: den Frieden für alle!
Ich las damals Bücher über Israel und dachte, in so einem Kibbuz sind alle gleich, da möchtest du hin. Außer konkret zu werden, blieb ich beim Träumen von Israel. Immer blieb dieser Wunsch, einmal in dieses Land zu reisen, um Antworten zu bekommen …

Der Traum ‘Familie’

Dann wurde ich erwachsen, ich begann eine Ausbildung, vergaß den Traum, Nonne in Afrika zu werden, um den armen und kranken Kindern zu helfen und hatte schon wieder den nächsten (Wunsch-)Traum: Unbedingt wollte ich eigene Kinder! Ich merkte gar nicht, dass ich inzwischen den vorherigen Träumen keine Beachtung mehr schenkte. Ich machte mich also auf die Suche nach meinem Traummann, mit dem ich eine Familie gründen konnte. Das hatte ich wohl klar genug formuliert, denn der Traum wurde tatsächlich wahr!

Der Raum in mir

Tja, und was soll ich sagen, nun habe ich mir auch noch den Traum erfüllt, nach Israel zu reisen! Den Traum hatte ich eigentlich schon längst aus meinem Bewusstsein gestrichen und inzwischen ging er doch in Erfüllung! Über Umwege, aus anderen Gründen als damals … obwohl, gesucht habe ich eigentlich immer! Und: Ich habe gefunden!
Ich habe einen Ort gefunden, den ich eigentlich immer schon bei mir getragen habe: den Raum in mir, in dem ich innehalten kann, Fragen stellen kann und auch Antworten bekomme, wenn ich genau hinhöre. Einen Ort, in dem Träume entstehen und ich den Mut finde, sie zu leben. Ich dachte, alle meine Wünsche sind jetzt erfüllt, aber an diesem Ort kann ich neue Träume entstehen lassen! Nicht solche Träume, in denen der Prinz auf dem weißen Pferd vorbeigeritten kommt … obwohl, ich glaube, der Prinz bin ich selbst, der mich aus dem Traum holt und mit mir den ersten Schritt geht.
Mutter Teresa werde ich wohl nicht mehr, aber ich habe die Möglichkeit zu helfen, wo auch immer Hilfe benötigt wird – es liegt an mir, meine Träume zu erfüllen!
Diese Träume müssen für andere nicht groß wirken, es geht um die kleinen Schritte.

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Granatäpfel, copyright Ines Reich, Jerusalem 2022