Der Tod ist gerade mein Thema. Er sollte das Natürlichste von der Welt sein, doch für mich ist er im Moment das Grausamste, was ich mir vorstellen kann.
Langsam komme ich an die Gefühle heran, die da waren, als meine Mutter starb und ich in ihrem Arm lag. Ich war drei Jahre alt und wurde von dem wichtigsten Menschen in meinem Leben verlassen – zum zweiten Mal. Das erste Mal direkt nach meiner Geburt, als ich in den Brutkasten musste. Im Nachhinein war das bestimmt gut so, doch eine enge und intensive Bindung zu meiner Mutter konnte ich dadurch nicht aufbauen.
Unsichtbar und stark
Als sie dann starb, war es grausam – und doch schaffte ich es, zu überleben. Ich brachte so viel Stärke mit in dieses Leben, dass ich sogar meinen kleineren Bruder beschützte. Mich selbst sah man leider nicht. Ich hatte mich gut versteckt und machte wohl nicht den Eindruck, Hilfe zu benötigen.
Da alle Erwachsenen mit ihren eigenen Traumata beschäftigt waren, war niemand da, der mir den Weg zur Verarbeitung der Trauer zeigen konnte. Niemand, der mir half, aus der Erstarrung zu finden, um mich erneut auf Nähe einzulassen.
Bis heute kann ich viel geben, tue mich jedoch schwer damit, jemanden wirklich an mich heranzulassen und Nähe auszuhalten, um eine echte Beziehung einzugehen. Kinder allerdings dürfen mir sehr nahe kommen
Einlassen – Hinhören – Nachspüren
Immer deutlicher spüre ich, dass hinter einer bislang verschlossenen Tür in mir ein Berg liegt – so fühlt es sich an – aus Sehnsucht und unverarbeiteter Trauer, Wut und Schmerz. Ein Berg, der nun angeschaut, gefühlt und verarbeitet werden möchte.
Diese Entwicklung ist jedoch nur möglich, wenn ich mich einlasse, hinhöre und nachspüre. Dazu sind für mich die tägliche Meditation allein sowie die Meditation in Gemeinschaft sehr wichtig. Wegweisend waren und sind für mich die Seminare von Dalmanuta. Hier entsteht ein Raum, in dem ich mich öffnen kann und spüren darf, dass alles gut ist, wie es gerade ist. Die Gemeinschaft hält, tröstet und nimmt mich an, wie ich bin. Ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.
Auf geht’s!
Wir sind ein nicht abgeschlossener Prozess. Wenn wir nach innen gehen, hinhören und dem Prozess vertrauen, öffnen sich zur richtigen Zeit Türen, und wir dürfen wieder ein Stück mehr verstehen. Wir werden vorbereitet.
Fotoquelle: Pixabay – tama66-sea





