Klingt episch, oder? Ist es auch, für mich und ich glaube auch für jeden, für den eine bestimmte Lebensphase endet.
In meinem Fall ist es der Verkauf meines Motorrades. Für alle, die mit Motorrädern nichts am Hut haben, für die ein Motorrad „nur ein Gegenstand“ ist oder vielleicht sogar eine Höllenmaschine und für alle, die mich in Verbindung mit dem Motorrad nicht kennen, ist es wahrscheinlich nicht so nachvollziehbar. Verstehe ich auch!
Für mich ist es das Ende von Freiheit. Ok, ich gebe zu, das klingt dramatisch und bedeutet nicht,
dass meine Freiheit oder das Gefühl diese spüren zu können damit vorbei ist. Natürlich kann ich Freiheit auch ohne Motorrad spüren. Es ist allerdings eine besondere Art von Freiheit, so als würde man fliegen.
Freiheit auf zwei Rädern
Wenn mich jemand fragt „Was bedeutet Motorrad fahren für dich?“ ist meine erste Antwort immer, und ich muss keine Sekunde darüber nachdenken, „Freiheit“. Ich liebe es an einem schönen Sommerabend bei anbrechender Dämmerung auf meinem Motorrad über leere Landstraßen zu fahren. Das Licht ist ein anderes als am Tag, es fühlt sich einfach alles anders an.
Ich habe meinen Führerschein gemacht, weil ich spontan diese Idee hatte. Ich habe mir sofort ein Motorrad geholt, und zwar das, was ich unbedingt haben wollte. Ich habe keine Abstriche gemacht und war, nein, ich bin so stolz auf mich! Auch das ist für viele vielleicht nicht nachvollziehbar. Es heißt nicht, dass ich mir ohne mit der Wimper zu zucken alles kaufen kann, was ich will. Auch das war mit einer schlaflosen Nacht verbunden und brauchte vor der Vertragsunterzeichnung noch einen Moment an der frischen Luft für mich. Doch …
Ich habe eine wunderbare Zeit gehabt und habe viele Menschen kennengelernt. Habe erfahren wie es ist, eine eingeschworene Gemeinschaft zu sein, mit Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen. Ich habe viel erlebt, bin viele Kilometer bergauf, bergab, durch enge Kurven oder einfach nur geradeaus gefahren, habe Kurse belegt um besser und sicherer zu fahren und vor allem habe ich viele Pommes gegessen 😉 Ich durfte mich auf eine andere Weise kennenlernen und natürlich gab es auch hier Höhen und Tiefen.
Eine Tür schließt sich – damit die nächste sich öffnen kann
Jetzt, sieben Jahre später, geht diese Ära für mich zu Ende.
Warum ich euch davon erzähle? Weil mir nochmal eines klar geworden ist.
Wenn sich eine Türe schließt, öffnet sich irgendwo eine neue Türe.
Es war eine tolle Zeit und jetzt bin ich bereit etwas neues tolles in mein Leben zu lassen. So ist es doch mit allen Themen im Leben, oder? Man lässt etwas Bestimmtes hinter sich und hat die Bahn frei für etwas Neues.
Es gibt den Satz „Weine nicht, weil es vorbei ist, lächle, weil es schön war …“ … und dieser Satz bezieht sich natürlich auf so viel mehr als „nur“ um den Verkauf eines Motorrades … Jedoch muss ich dem Satz ein wenig widersprechen …. JA, weine ruhig, weil es vorbei ist … es geht etwas zu Ende, was eine tolle Zeit und Erinnerungen geschenkt hat und deswegen auch JA, lächle, weil es so schön war.
Ich wusste, wann meine letzte Fahrt sein wird
Es musste noch etwas erledigt werden und das habe ich mit einer allerletzten Fahrt verbunden. Und was soll ich sagen, meine Gefühle fuhren Achterbahn. Ich weinte, lächelte und hatte so viel mehr Freude am Fahren, als ich es die letzten Fahrten davor nicht hatte. Ich konnte es sehr genießen, obwohl es meine letzte Fahrt war. Oder gerade, weil es die letzte Fahrt war? Ich wusste es ganz anders zu schätzen, weil ich wusste, dass es ein festgelegtes Ende gibt. Und dann habe ich mir die Frage gestellt, warum ich es nicht jedes einzelne Mal so genossen habe? Und dann wurde mir noch eines klar…
Du bist JETZT!
Es ist wie dieses berühmte Glas voller Bonbons. Man isst so viele Bonbons, ohne darüber nachzudenken, dass das Glas irgendwann leer sein wird. Und dann, ganz plötzlich, als nur noch wenig Bonbons in dem Glas sind, beginnt man die letzten Bonbons richtig zu genießen. Und die letzten Bonbons schmecken so viel besser als die zuvor gegessenen. Wir haben zwei Leben, und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.
Um es nochmal in wenigen Sätzen zusammenzufassen.
Du lebst JETZT. Du hast dieses eine Leben und du bist der Autor deines eigenen Buches. Warte nicht auf Wochenenden, auf den nächsten Urlaub, auf die Rente … Genieße deine Zeit und verbringe sie mit Dingen, mit Menschen und mit Erlebnissen, die, dir guttun! Wenn etwas dein Leben bereichert, dann nimm jeden Augenblick auf, lerne, genieße, nimm wahr und dann wird es zu einer Erinnerung, die dir niemand mehr nehmen kann! Und manchmal bedeutet es, dass sich eine Türe schließt und eine neue sich öffnet
Bildquelle: Eigenes Foto von Dina Welker




