Back to the Roots

Autor: Andrea und Volker Siegert
wahr

Wahr oder unwahr?

Nach diesem Schema laufen unzählige Quizsendungen und zwingen die Teilnehmer zu einer Entscheidung. Richtig oder falsch? Es spielt dabei keine Rolle, ob die Frage durch Wissen oder intuitiv beantwortet wird. Das Ergebnis zählt, der Konsument will nur eins: die Wahrheit wissen. Ob er sie dann als „wahr“ annimmt oder nicht, ist sekundär. Was in einem Quiz recht einfach erscheint, erweist sich in meinem täglichen Leben oft nicht so einfach. Offensichtlich gibt es verschiedene Wahrheiten. Die eine, die sein kann, aber schwer beweisbar ist, weil ich als Zeitzeuge fehle und sie deshalb nicht akzeptiere. Oder die andere, bei der ich bewusst Zeitzeuge bin, sie aber nicht annehmen will, weil diese Wahrheit nicht in das Bild meiner Vorstellung passt.

Seit vielen Jahren sammele ich Fossilien und Hinterlassenschaften von Menschen, die in vergangenen Zeiten lebten. Die spannenden Fragen für mich waren „Wo kommt das her“ und „Wie entstand das Leben, wie vollzog sich die Entwicklung vom Pantoffeltierchen bis hin zum Menschen unserer Zeit.“
Prähistorische Knochenfunde lassen darauf schließen, dass die Wiege der Menschheit in Afrika liegt. Primaten entwickelten sich zu Menschen und gingen ihren Weg. Doch es fehlte, das Wissen über den Zusammenhang der Funde.

Alles änderte sich als Genforscher sich der Thematik annahmen und herausfanden, dass unsere Vorfahren sich, seit hunderttausenden von Jahren auf den Weg nach Europa und in die ganze Welt machten. Sie tauchten auf, entwickelten sich passabel und verschwanden wieder, dahingerafft von Seuchen, Klimakatastrophen und Auseinandersetzungen mit anderen Familienclans. Die wenigen Verbliebenen vermischten sich dann in teilweise großen zeitlichen Abständen mit nachfolgenden Gruppen. Eine frühe Multikulti-Form.

Die Europa-Wanderer nutzten vorzugsweise die jedem von uns bekannte Balkanlinie. Hätten sie nicht diesen Mut gehabt, sich immer wieder auf den Weg zu machen, wäre ich heute nicht hier. Wir Europäer stammen zum größten Teil von Afrikanern verschiedenster Gruppen ab und zu ca. 2 Prozent vom Neandertaler. Wer heutzutage besonders „stolz“ auf seine weiße Haut ist und womöglich mit rassistischen Äußerungen um die Ecke kommt, sollte also vorsichtig sein. Übrigens, wenn ein Schimpanse sich rasieren könnte, käme seine weiße Haut zum Vorschein. Grund genug zu überlegen, wer oder was ich sein möchte oder bin.

Wahr oder unwahr?

Ich begann, „das Pferd“ von hinten aufzuzäumen. Ich habe zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern und sechzehn Ururgroßeltern, das sind vier Generationen, rund hundert Jahre Familienleben, dabei verschwand bei mir schnell das Gefühl Deutscher zu sein. Mein Großvater wurde in Weißrussland geboren, seine Jugend konnte er allerdings nicht genießen, in den Wirren des 1. Weltkrieges wurde der Hof überfallen und der größte Teil der deutschen Siedlerfamilie nach Sibirien verschleppt. Seine Mutter sah er nie wieder.

Mein Ururgroßvater wurde im Rheinland geboren. Seine Eltern kamen aus Österreich, dann verschwinden die Spuren.
Als ich dieses Rechenexempel rund 30 – mal weiterführte; kam ich auf eine unvorstellbare Zahl von Altvorderen. Ganz ehrlich, soviel Menschen hat es damals mit Sicherheit in Europa nicht gegeben oder aber: „Bin ich etwa mit der ganzen Welt verwandt?“

Wahr oder unwahr?

Ich hätte meine Frage damals anders formulieren müssen, eher in die Richtung: Woher kommt der Impuls der Lebenskraft? Vor allem: „WER“ gab den Impuls?

Was sich vor mehreren tausend Jahren im sogenannten „Fruchtbaren Halbmond“, der sich von der heutigen Türkei rund ums Mittelmeer bis hin nach Israel ausweitet, geschah, weiß heute niemand genau. Eins wird sehr schnell klar, die Menschen fühlten sich offenbar so sicher, dass sie sesshaft wurden. So wurden sie Ackerbauern und Viehzüchter.

Sie verspürten offensichtlich etwas, was noch nie jemand vor ihnen fühlen konnte: „BESTÄNDIGKEIT“. Und lernten ihre Nahrung anbauen und Tiere halten und hatten „zu essen“ auf Vorrat. Es gab weder Angst vor den immer wiederkehrenden Eismassen aus dem Norden noch vor der zerstörenden Hitze aus dem Süden. Sie mussten plötzlich nicht mehr auf den Mangel schauen, sondern konnten sich auf sich selbst besinnen. Das gab Freiraum für Neues. Sie konnten sich auf ihre Spiritualität besinnen und diese ausüben. Vielleicht waren sie die ersten meditierenden Menschen?

Wahr oder unwahr?

Gehen wir einmal zurück. Vier Generationen sind rund einhundert Jahre. Achtzig Generationen weiter schreiben wir das Jahr Null nach unserer Zeitrechnung. Die Protagonisten und die Verhältnisse der Zeit kennen wir.

Ein Teil von meinen und deinen Altvorderen sind in dieser Zeit vielleicht einfach da … die Menschen suchten und fanden Orte, an denen sie sich in Ruhe zurückziehen konnten, einfach mit sich selbst sein. Stille Orte, magische Orte. Auf der ganzen Welt gibt es sie. Orte, an denen Menschen in den Himmel schauen, Fragen stellen, Antworten bekommen und diese Botschaften in die Welt tragen dürfen. Für mich ist Dalmanuta, eine Stelle in Israel am See Genezareth, so ein magischer Ort. Vielleicht habe ich deshalb das Gefühl, zu Hause anzukommen, wenn ich nach Israel fliege. Dieses kleine Land, das heute noch ein Schmelztiegel der verschiedenen Kulturkreise und Religionen ist … Wo sonst können Wunder geschehen?

Wahr oder unwahr?

Heute weiß ich, dass die Fossilien und die anderen Relikte, die ich damals fand, leere und tote Hüllen sind, nur diese bleiben bei guten Bedingungen übrig. Sie sind aber nicht das, was das Leben ausmacht, es fehlt etwas.
Es fehlt das Leben selbst und damit das Ein- und Ausatmen. Es gilt, den zu suchen und zu finden, der mich das lehrte, der mir diesen Impuls gab. Denn der das Äußere gemacht hat, hat auch das Innere gemacht. Das, was das Leben ausmacht, ist das Bewusstsein, auf das was ist, auf das was war, und auf das, was kommen wird.

Bewusstsein ist kein Bild, kein Ton, kein Geruch, kein Geschmack, sondern einzig und allein meine Wahrnehmung und somit die Wahrnehmung von allem, was ist. Und daraus resultiert ein Gefühl. Das Gefühl des Seins und damit die Geschichte meiner Wahrheit. Und wenn ich meine Wahrheit erkenne, dann ist sie für mich bindend. Daran kann ich festhalten, dafür kann ich kämpfen und notfalls sogar sterben.

Wahr oder unwahr?

Soll ich mir deshalb kein Bild von Gott – oder wie immer du diese Energie nennen magst – machen, weil mich das verwirren würde? Bekam ich deshalb am Anfang meiner Suche keine Antwort? Weil ich nicht verstand, dass die Suppe im Topf mich sattmacht und nicht der Topf selbst?
Etwas ganz Wichtiges zeichnet mich als fühlenden und denkenden Menschen aus: Ich habe Erinnerungen. Denn wer keine Erinnerung hat, der wird wahrscheinlich keine Antwort bekommen, für ihn wird sich immer die bohrende Frage stellen: „WER BIN ICH, WAS BIN ICH UND WO KOMME ICH HER?“

Mit der Gewissheit, dass ich Träger aller Erinnerungen bin, fühlte ich auf einmal eine unwahrscheinliche Leichtigkeit in mir. Aus der bohrenden Frage: „WER“ oder „WAS“ ich bin, wurde die Erkenntnis, „DASS“ ich bin. In diesem Moment der Erkenntnis bin ich alles – ALLES AUF EINMAL.
Denn alles hat seine Wahrheit und braucht keine Beschränkung. Kein Wahr oder Unwahr. Alles, was ich erschaffe, entsteht nach meinem Bilde, und Gott erschuf mich nach seinem Bilde …

Autor: Volker Siegert

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Frau, unendlich, Meer, silhouette-6292612 @ AdelinaZw (pixabay CC-0)

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