Hast Du Mut zur Stille?

Eine Flucht

Es gab Zeiten in meinem Leben, da ließ ich keine Stille zu. Ich brauchte Ablenkung und Geräusche im Außen,

  • …um mich nicht alleine zu fühlen,
  • …um meine Gedanken nicht zu hören,
  • …um meine Gefühle nicht zu fühlen.

Sobald ich nach Hause kam, schaltete ich den Fernseher ein. Zum Einschlafen hörte ich ein Hörbuch, am liebsten immer die gleiche Buchserie, die ich schon kannte. Alles nur, damit ich dem endlos ratternden Gedankenkarussell entkommen konnte und mich nicht mit dem, was in mir war, beschäftigen musste. Es war eine Flucht vor mir selber. Was in mir war, war eine große Leere. Ich wusste, es gibt mehr im Leben, als ich gerade wahrnehme und erlebe. Es gibt mehr Liebe, mehr Leichtigkeit, mehr Freude. Dies schien nur anderen zu gelingen. Denn in mir war eine Traurigkeit und Dunkelheit. Ich fühlte mich alleine, nicht wichtig, nicht wertvoll. Um das nicht zu spüren, wählte ich immer wieder Ablenkungen und Pflaster, die meine Leere überdecken sollten:

Shopping als Pflaster

Eine Freizeitbeschäftigung war tatsächlich Einkaufen. Mit einem Einkaufsbummel, bei dem ich auf der Jagd nach Schnäppchen war, wollte ich die Leere in mir füllen. Schöne neue Kleidung brachte mir tatsächlich kurzfristig den Anschein von Glück und Zufriedenheit. Aber leider hielten diese Gefühle nicht lange an. Also brauchte ich Nachschub.

Serien als Freunde

Fernsehserien ließen mich eintauchen in das Leben anderer Menschen. Zuzuschauen, wie sie ihr Leben meisterten, mit Schmerz und Freude umgingen, ließ mich Teil davon sein. Ich litt mit ihnen, ich freute mich mit ihnen. Und doch war es nur eine Illusion. Meine Gefühle waren echt, aber die Menschen in den Serien nicht.

Unterwegs sein

Um ja nicht zu viel mit mir alleine zu sein, war ich ständig unterwegs. Ich traf mich häufig mit Freunden, war bei meinen Schwestern über das Wochenende zu Besuch und wusste im April schon, wie ich meine Wochenenden im Juni und Juli verbringe. Nur nicht alleine mit mir sein, womöglich für ein ganzes langes Wochenende.

 

Der fehlende Mut

Vielleicht fragst Du dich, was schlimm daran ist, Serien zu schauen oder sich mit Freunden zu treffen. Nichts. Daran ist nichts Schlimmes oder es ist nichts verkehrt. Bei mir war es allerdings ein Symptom. Ein Symptom dafür, dass ich alles tat, um mir selber aus dem Weg zu gehen. Ich tat diese Dinge, weil ich nicht den Mut zur Stille hatte. Mir fehlte der Mut, mir selber zu begegnen. Ich traute mich nicht, meine Traurigkeit zuzulassen und zu hinterfragen, was ich aus meinem Leben machte. Denn es war ein Leben mit angezogener Handbremse, ein Leben ohne Lebendigkeit. Ich wartete. Wann würde endlich jemand kommen und mich aus diesem Leben befreien?

 

Es reicht

Heute weiß ich: Es kommt kein Ritter in strahlender Rüstung, der mich aus meinem Elend rettet. Ich bin mein Ritter. Ich bin diejenige, die mein Leben verändern kann. Es kam der Punkt, an dem es mir reichte. Ich wollte mehr! Das war nicht das Leben, das ich mir gewünscht habe. Das war nicht das Leben, wie ich es führen wollte. Es gibt diesen Satz “wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Meister”. Und ich bin froh und dankbar, dass ich verschiedenen Lehrern begegnen durfte. Eine der wichtigsten Begegnung auf dem Weg zurück zu mir selber, geschah über ein Buch, das ein Polizist über Reiki geschrieben hat.

 

Es liegt in meiner Hand

Es liegt an mir, was ich aus meinem Leben mache. Ich mag nicht alle Umstände verändern. Da ich nur 1,65 m groß bin, werde ich wohl kein Basketballstar werden können. Den Umstand meiner Körpergröße kann ich nicht ändern. Aber ich kann aus dem, was ich habe und wo ich stehe, das Beste machen. Ich bestimme die Richtung in meinem Leben. Mein Leben liegt in meiner Hand. Das habe ich erfahren und begriffen. Ich habe entschieden, dass mein Leben anders werden soll. Und mit dieser Klarheit begann ein wunderbarer Weg.

 

Jede Tür hat zwei Seiten

Meinen eigenen Weg zu gehen, ist jedoch nicht immer nur leicht. Die Tür aufzumachen für die Liebe, Freude und Lebendigkeit heißt auch immer die Tür zu öffnen für die vermeintlich schlechten Gefühle wie Traurigkeit, Wut oder Verzweiflung. Gefühle sind wie ein Pendel. Wenn ich wieder Freude erleben möchte, schwingt das Pendel immer auch auf die andere Seite. Ich kann nicht nur die “guten Gefühle” fühlen. Emotionen gibt es nur ganz oder gar nicht. Ich habe mich für “ganz” entschieden. So gehören auch Wut, Neid, Zweifel und die ganze Palette der ungeliebten Gefühle zu mir. Nur wenn ich auch diese Emotionen zulasse, kommen auch Leichtigkeit, Ausgelassenheit und Verbundenheit zurück. Das zu begreifen war einer der größten Veränderungsschritte in meinem Leben.

 

Der Mut zur Stille

Mein Leben ist nicht immer einfach. Kein Leben ist immer einfach. Diese Erwartung habe ich auch nicht mehr. Und immer wieder hadere ich mit den gleichen Themen. Oft fehlt mir noch der Mut einen weiteren Schritt zu gehen. In Phasen, wenn ich sehr gefordert bin, falle ich immer wieder in die Falle der Ablenkung im Außen, und gönne mir nicht die Stille, die meinem Herzen guttut. Daher trägt mein Blog den Namen Mut zur Stille. Dort schreibe ich über das, was mich bewegt. So wie ich wieder den Weg zu mir selber gefunden habe und diesen Weg immer wieder gehe und finde, möchte ich Menschen inspirieren, ihren eigenen Weg zu suchen und zu gehen.

 

Der Weg zu mir

Wenn ich zurückschaue, staune ich, welch wunderbare Veränderungen sich in meinem Leben ereignet haben. Ich lebe inzwischen so viel spontaner, genieße den Augenblick und habe wieder den Mut Abenteuer zu wagen. Meine Wochenenden sind nicht mehr vorgeplant, ich habe tatsächlich ein Stück weit die Illusion der Kontrolle über mein Leben aufgegeben. Auch wenn der Weg nicht immer leicht ist, bin ich voller Dankbarkeit, dass ich heute da stehe, wo ich bin. Mitten in meinem Leben. Und das ist der einzige Ort, in dem das Leben stattfindet. Darum heißt es für mich, immer wieder voll hineinzugehen in das große Abenteuer Leben.

 

Wo stehst Du?

Wenn Du auf deinen Lebensweg schaust, wo stehst Du gerade? Hast Du Dich schon auf den Weg zurück zu Dir selber gemacht? Denn es scheint der übliche Weg zu sein, dass wir uns zunächst verlieren müssen, um uns neu finden zu können. Auf diesem Weg wünsche ich Dir Menschen an Deiner Seite, die Dich darin unterstützen, Deinen Weg zu gehen. Es gibt kein Patentrezept für das Leben. Eine der Aufgaben des Lebens an Dich ist es, herauszufinden, was Dir Freude macht, was Dich erfüllt. Es gilt für Dich, Deinen Weg zu finden und zu gehen. Auf dieser Webseite findest Du wunderbare Menschen, die Dich genau dabei unterstützen können. Jeder und jede auf ihre Weise. So wie Du Deinen Weg immer nur auf deine Weise gehen kannst.

 

Anne Poger
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