Ein Hoch auf die Einbildung!

Autor: Peter Michael Dieckmann
Mädchen Schaukel

 

Einbildung – wahr oder falsch?

Der Begriff „Einbildung“ impliziert, dass es sich dabei um eine falsche Annahme handelt: „Das bildest du dir nur ein…“

Doch weit gefehlt! Es gibt nichts Wahreres als deine Einbildung!

Was würde es beispielsweise für einen Unterschied machen, ob das Gefühl deines Glücklich-Seins auf einer vermeintlich (also nach Meinung anderer) wahren oder vermeintlich (ebenso nach Meinung anderer) falschen Annahme beruht? Was wäre, wenn du am Ende deines Lebens sagen würdest: „Ich habe mir immer eingebildet glücklich zu sein?“

Nun ja, die Antwort auf diese Frage ist einfach: Wenn du dir einbildest glücklich zu sein, dann bist du glücklich! Denn es bedeutet, dass du innere Bilder des Glücks und der Freude in dir trägst. Niemand kann glücklich sein ohne solche inneren Bilder. Also kann niemand glücklich sein, der es sich nicht einbildet. Umgekehrt genauso: Ein Mensch der sich einbildet unglücklich zu sein, ist unglücklich!

 

Innere Bilder – das Fundament der Erfahrung

Jede Situation in deinem Leben ist verbunden mit einem Gefühl. Die erlebten Bilder im Außen werden zu Bildern der Erinnerung. Wenn Erinnerungen nichts anderes sind als innere Bilder, dann ist der Begriff „Einbildung“ ein Synonym für den Begriff „Erinnerung“. Und wer möchte behaupten, dass Erinnerungen nichts anderes wären als falsche Annahmen?

Deine innere Einstellung entscheidet darüber, ob du zuversichtlich bist oder nicht, ob du vertraust oder nicht, ob du dich freuen kannst oder nicht. Mit anderen Worten: Es liegt an der Einbildung, ob du glücklich bist oder nicht.

Die Erfahrungen, die ich früher gemacht habe, beeinflussen im starken Maße die Qualität des „Wie bin ich heute drauf?“ Die inneren Bilder aus meiner Vergangenheit sind das Fundament meiner Gegenwart.

Entscheidungen, die ich heute treffe, sind maßgeblich dafür, was ich morgen erleben werde. Meine inneren Bilder der Gegenwart sind das Fundament meiner Zukunft.

Meine Erfahrungen von morgen werden meine Erinnerungen von übermorgen sein. Die inneren Bilder aus der Zukunft werden zu dem Fundament meiner späteren Vergangenheit und Gegenwart.

 

Einbildungsstümper und Einbildungskünstler

Manche suhlen sich in alten Bildern der Vergangenheit, die von Leid und Schrecken erzählen. Die Einbildung solcher Menschen ist dauerhaft unveränderlich. Sie sind in diesem Sinne „Einbildungsstümper“. Einbildungsstümper verharren in alten, starren und daher toten inneren Bildern. Sie manifestieren ihre Dramen dadurch, indem sie sie immer wieder erzählen, häufig nur sich selbst und oftmals auch anderen.

Die Einbildungskünstlerin hingegen lebt in beweglichen und sich immer verändernden und deshalb lebendigen Bildern! Solche Menschen sind neugierig auf das Leben. Neugier ist nichts anderes als das „Gespannt Sein“ auf das, was noch kommt. „Ich bin gespannt auf die neuen Erinnerungen, die ich morgen haben werde!“

Die Botschaft lautet: Werde ein Einbildungskünstler!

Der erste Schritt dafür ist: Frage dich nie mehr, ob das, was du dir einbildest, wahr oder falsch ist. Diese Frage spielt ab jetzt keine Rolle mehr für dich. Frage dich höchstens, wohin deine inneren Bilder dich führen, welche Einstellung sie in dir bewirken. Und hüte dich davor, sie starr und fest werden zu lassen. Die Einbildungskünstlerin ist immer in Bewegung, immer in Veränderung, immer lebendig!

 

Die hohe Schule der Einbildung – zwei Methoden

Erstens: Meditation. Meditation ist der Gang hinab in deine innere Gefühlswelt. Die Welt der Gefühle ist erfüllt von Bildern deiner Erinnerungen und zugleich erfüllt von Bildern deiner Sehnsüchte und Träume. Lass diese Bilder in deiner täglichen Meditation lebendig werden. Wenn sie lebendig sind, verändern sie sich.

Frage dich niemals, ob diese Bilder gut oder schlecht sind, sondern lass sie einfach beweglich sein. Analyse ist das Werkzeug des Verstandes. Der Verstand versucht, Gefühle gedanklich zu formulieren. Er presst sie somit in eine Form. Eine Form ist immer begrenzt und damit endlich. Die Welt der Gefühle hingegen ist unbegrenzt und unendlich.

Das ist die Wirksamkeit der Meditation nach dem Dalmanuta Prinzip. Ein Impuls von außen, der von der Meditationslehrerin in Form einer Frage beziehungsweise eines Satzes gegeben wird, verbunden mit melodischer Musik, deren Lautstärke dazu beiträgt, dass der Mensch aus der Mühle des Grübelns herauskatapultiert wird und sich fallen lässt in den Ozean seiner Gefühle und inneren Bilder.

Die zweite Methode ist das Handeln! Handeln ist die Produktion von neuen Bildern im Außen, genannt Erfahrung. Treffe heute deine Entscheidung, die morgen zu deiner Erfahrung und übermorgen zu deiner Erinnerung wird. Mutige Menschen sind bereit, neue Erfahrungen zu machen, indem sie neue, mutige Entscheidungen treffen. Sie bleiben (neu-) gierig auf das Leben. Mutige Menschen wissen, dass es im Leben auf die Intensität der Gefühle ankommt. Sie sind nicht bestrebt, unangenehme Gefühle zu vermeiden, sie wollen mit allem, was sie haben das Leben in seiner absoluten Vielfalt genießen!

Am besten ist die Kombination von beiden. Meditiere ein paar Minuten am Morgen, am besten unmittelbar nach dem Aufstehen, dann geh los in dein Leben, nimm intensiv daran teil, sei dabei nicht passiv, sondern aktiv, gestalte es mit und mache deine Erfahrungen. Am Abend, am besten vor dem Schlafengehen, setz dich wieder für einige Minuten hin und meditiere. Also:

Lebe und meditiere und lebe und meditiere und lebe …

 

Peter Michael Dieckmann

Peter Michael Dieckmann

www.dalmanuta-prinzip.de