Du stellst die falsche Frage

Autor: Anne Poger

Warum?

Warum bin ich hier in diesem Leben? Diese Frage habe ich mir lange Zeit immer wieder gestellt. Meine Idee von dem Leben, wie ich es mir vorgestellt habe, war gescheitert. Als die Akzeptanz in mir reifte, dass ich ein Leben ohne Kinder führen würde, kam diese Frage mit aller Kraft in mir hoch.

Warum bin ich hier? Ich kann nichts hinterlassen. Niemand wird sich am Ende meiner Tage die Fotos aus meiner Jugend anschauen. Ich werde keinem Kind weiter geben können, was mir wichtig ist im Leben, was ich über das Leben lernen durfte oder was ich gerne schon früher im Leben gewusst oder gehört hätte.

Warum bin ich also hier?

Berufung
Die Phase, in der mich das immer wieder gefragt habe, fiel mit einer beruflichen Neuorientierung zusammen. Wenn wir also keine Kinder haben werden, was ist dann meine Berufung in diesem Leben? Andere Menschen hören doch auch diesen inneren Ruf und spüren sehr stark, wozu sie berufen sind.

Bei mir ist das nicht so. Ich habe meine Antwort gefunden. Aber wenn ich ganz ehrlich bin: Ich weiß die Antwort gerade selber nicht mehr so genau. Aber ich bin in Frieden mit dieser Frage. Denn diese Frage ist Quatsch.

Ich

Genau wie die Frage „wer bin ich?“. Es mag Menschen geben, die auf diese Frage eine Antwort haben. Ich habe sie nicht. Ich bin zig verschiedene Rollen, die mein Leben ausmachen. Ich bin die Meditationslehrerin und die Blogautorin, die Dozentin an der Fachhochschule. Ich bin Tochter, Schwester und Ehefrau, Freundin und Kollegin und zig weitere Rollen. Natürlich gibt es einen gemeinsamen Kern und doch erlebe ich mich immer wieder anders auf den Bühnen meines Lebens.

„Wer bin ich?“ ist für mich daher ebenfalls die falsche Frage.

Bessere Frage
Aber in mir ist noch immer diese Unklarheit. Ich suche weiter nach einer Antwort. Der Wunsch, Klarheit zu finden, ist noch immer da. Aber was ist die richtige Frage? Eine auf dich ich auch wirklich eine Antwort finden kann? Vielleicht hast du dir selber diese Frage schon gestellt und hast deine Antwort gefunden auf die eigentliche Frage: „Welcher Mensch möchtest du sein?“.

Es liegt bei mir…
Diese Frage hat eine andere Qualität als die Frage nach dem Warum oder „wer ich bin?“. Denn diese Frage öffnet einen Raum. Statt die EINE Antwort zu geben, entsteht ein Gestaltungsraum. Ich entscheide, welcher Mensch ich sein will. Die Antwort kommt nicht von oben oder von irgendwo her, sondern die Antwort kommt aus mir. Ich bin die Antwort.

Es liegt bei mir, ob ich dieser Mensch werde, der ich sein will.
Es liegt bei mir, auf welches Leben ich eines Tages zurückschauen werde.
Es liegt bei mir, wie ich meine begrenzte Zeit in diesem Leben einsetze.

… und bei dir
Kennst du Fragen wie diese für dein Leben auch? Hast du vielleicht die Antwort auf die Frage „wer bin ich?“ oder „warum bin ich hier?“ gefunden? Wenn ja, gratuliere ich dir herzlich. Das ist toll.

Wenn du aber auch noch Suchender bzw. Suchende bist, dann lade ich dich ein, dich der eigentlichen Frage zu stellen: Welcher Mensch möchtest du sein? Wenn dir dies zu abstrakt formuliert ist, gebe ich dir eine Alternative. Auf was für ein Leben möchtest du zurückschauen, wenn dein Leben sich dem Ende neigt? Wie möchtest du gelebt haben?

Möglichst bequem und leicht oder offen, mutig und tatkräftig?
Immer auf der sicheren Seite, die Schäfchen im Trockenen oder abenteuerlustig, wagemutig und bereit für Neues?

Du entscheidest: Welcher Mensch möchtest DU sein?

Es liegt bei dir. Nur bei dir.

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: Reh, Tierwelt, Frage @ Bilderwelt 68 (pixabay CC-0)

Anne Poger

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