Dreh dich nicht um, Frau Lot!

Autor: Peter Michael Dieckmann
Lot Salzsäule Israel

Jemand sagte: “Ich muss meine Vergangenheit aufarbeiten!”
“Wie könntest du einen Fluss aufarbeiten?” fragte ich.
Die Fragestellerin sah mich erstaunt an. Sie verstand meine Antwort nicht.
“Ich spreche von dem Fluss der Zeit” führte ich meine Antwort weiter aus.

Fluss der Zeit

“Ein Fluss fließt immer nur in eine Richtung. Er fließt nicht heute in diese und morgen in jene Richtung. So verhält es sich auch mit dem Fluss der Zeit. Er fließt immer nur in eine Richtung: Nach vorne in die Zukunft. Auch deine Vergangenheit hat sich nach vorne entwickelt. Sie ist zu deiner Gegenwart geworden und wird im weiteren Verlauf zu deiner Zukunft werden.”

Wenn die Zeit nach vorne gerichtet ist, hilft es nicht, in der Gegenrichtung unterwegs zu sein. Die Analyse ist immer nach hinten gerichtet. Analyse ist somit der Versuch, gegen den Strom zu fließen. Wer ständig gegen den Strom anschwimmt, wird auf Dauer kraftlos.

Die Aufarbeitung der Vergangenheit erfolgt wirksam durch die Klärung in der Gegenwart. Diese Klärung ist ein emotionaler Prozess, der nach vorne in die Zukunft gerichtet ist. In der Klärung der gegenwärtigen Gefühle fließen wir mit dem Fluss der Zeit. Dafür bedarf es keiner Analyse des Verstandes, dafür brauchen wir nur ein offenes Herz! Klarheit bedeutet nicht “verstehen”. Klarheit betrifft vielmehr die Reinheit des Herzens.

Deine Traurigkeit ist gegenwärtig.
Deine Enttäuschung ist gegenwärtig.
Dein Ärger ist gegenwärtig.

Jede Emotion ist gegenwärtig

Was hilft es uns, die Erlebnisse der Vergangenheit zu verstehen? In Sachen „Gefühle“ ist der Verstand nicht kompetent. Auch wenn manche das Gegenteil behaupten: Gedanken haben keinerlei Auswirkungen auf unsere Gefühle. Sie können allerhöchstens Gefühle unterdrücken. Es ist ein Märchen, dass gute Gedanken zu guten Gefühlen werden. Vielmehr ist es umgekehrt: Gute Gefühle werden zu guten Gedanken!

Durch Analyse verstärken wir nur die Stories der Vergangenheit. Die Frage ist: Wieviel Macht wollen wir diesen alten Geschichten geben?

“Dreh dich nicht um” lautete der Ratschlag, den man Frau Lot erteilte, als sie aus ihrem persönlichen Sodom und Gomorra flüchten wollte. “Wenn du dich umdrehst, wirst du zur Salzsäule erstarren”, sagte man ihr. Frau Lot hörte nicht auf den gut gemeinten Tipp, sie schaute nach hinten und starb.

Blick zurück nach vorne

Die Botschaft lautet: Deine Gegenwart wird sterben, wenn du dich nur mit deiner Vergangenheit beschäftigst. Und mit der Gegenwart stirbt dann auch deine Zukunft.

Also: Lass Tränen fließen!
Die Tränen deiner Traurigkeit!
Die Tränen deiner Enttäuschung!
Die Tränen deines Ärgers!

Auch deine Tränen fließen immer nur in eine Richtung!

Bring Worte hervor!
Die Worte deiner Traurigkeit!
Die Worte deiner Enttäuschung!
Die Worte deines Ärgers.

Auch deine Worte kommen aus deinem Mund in einer Richtung!

Von den Auswirkungen

Und dann: Lass den Tränen und den Worten Taten folgen! Triff Entscheidungen! Entscheidungen sind die Konsequenzen, die du für die Zukunft ziehst:

Die Konsequenz deiner Traurigkeit!
Die Konsequenz deiner Enttäuschung!
Die Konsequenz deines Ärgers!

Unsere Tränen, Worte und Taten haben Auswirkungen, die unser Leben verändern. Und das Geheimnis ist, dass wir auf diese Weise auch unsere Vergangenheit verändern.

 

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: lot, salzsäule, israel_23877279 @ hello 1694 (pixabay CC-0)

Peter Michael Dieckmann

Peter Michael Dieckmann

www.dalmanuta-prinzip.de