Die beste Schule ist das Leben

Autor: Sven Sewcz

Schulbeginn

Als ich damals in die Schule gekommen bin, kam ich mir reichlich eigenartig vor. All die anderen Kinder waren in meinem Alter. Viele junge Menschen lernen die Welt kennen – zumindest in der Theorie! Und natürlich sich selbst – aus den eigenen Augen und den Augen von Menschen, welche dieselben Voraussetzungen für denselben Bildungsstand und dieselbe Erfahrung haben. Zum ersten Mal kann ein realistischer Vergleich mit anderen stattfinden. Denn wie unfair wäre denn ein Vergleich mit dem eigenen Vater oder der eigenen Mutter – also mit seinen angehimmelten Superhelden! Ich hatte es sehr schwer mitzuhalten und dementsprechend auch kaum Freunde. Genauso schwer kam mir der Unterricht vor und ich habe einige Schuljahre gebraucht, um mich an dieses eigenartige Lernsystem namens „Schule“ zu gewöhnen.

Zwei Seiten einer Medaille – die eine Seite

Ich habe viele falsche Antworten gegeben und dementsprechend waren meine Noten. Das war alles, was meine schlechte Leistung hinterlassen hat. Das und natürlich das Ansehen von Familienmitgliedern und Bekannten. Also gut, es ist schon nicht so schön, wenn andere Menschen Enttäuschung über deine Leistung zeigen. Aber das kommt mir doch noch sehr harmlos vor gegen das, was ich vom Leben lernen durfte. All die anderen Schüler haben sich nicht um mich geschert und waren meistens überheblich und gemein zu mir. Dass ich mich dagegen wehrte und meinen Standpunkt versuchte zu verteidigen, hat es nicht besser gemacht. Doch aus Fehlern lernt man ja! Ich habe diese Mitschüler nach dieser Zeit immer weniger gesehen und irgendwann bis heute gar nicht mehr. Das ist aber auch egal, denn ich mache mein Ding und habe meinen Platz in diesem Leben gefunden. Viele Jahre habe ich Groll in mir getragen und empfand mich im Recht, es dem einen oder anderen mit gleicher Münze heimzuzahlen. Ich denke, eine Zeit lang war mir das auch ein starker Antrieb, über mich selbst hinauszuwachsen. Denn wie sonst hätte ich dieses Ziel erreichen können? Irgendwann habe ich aber für mich erkannt, dass die Last, die ich gelegentlich trage, größer ist als das, was ich ertragen kann und ich habe vieles losgelassen. Ich habe bereits vor vielen Jahren Frieden damit geschlossen.

Die ungeschminkte Wahrheit

Eine meiner wichtigsten Eigenschaften ist die stete Suche nach der ungeschminkten Wahrheit. Immer wieder versuche ich, unparteiisch wie ein Schiedsrichter Situationen oder Menschen von allen Seiten zu beleuchten, wenn sie mir unerklärlich wirken. Erst wenn ich das getan habe, dann fälle ich darüber entweder ein Urteil … oder auch nicht! Das geht so weit, dass dieses Gefühl der Kränkung, wenn ich mich in einer unvorteilhaften Situation wiederfinde, kaum noch auftaucht. Und heute weiß ich genau, dass Fehltritte zum Leben dazugehören. Es ist eine harte Erkenntnis, das gebe ich zu! Denn sie verlangt Verständnis, um in ihrer Tiefe verstanden zu werden. Wenn ich heute zurückdenke an die alten Klassenkameraden, dann denke ich an Kinder, die ebenfalls Fehltritte gemacht haben und womöglich daraus gelernt haben. Es geht deshalb so tief, weil sie mir unsagbar große Schmerzen bereitet haben, die noch bis heute tiefe Abdrücke in meiner Seele hinterlassen haben. Es geht deshalb so tief, weil ich darin dennoch Fehltritte sehen kann und meinen Frieden damit schließen konnte.

Zwei Seiten einer Medaille – die andere Seite

Irgendwann habe ich die Schule gewechselt und kam in den Genuss, mehr Anerkennung von den Gleichaltrigen zu erhalten. Meine Noten waren auch super! Ich bin in wenigen Jahren über mich hinausgewachsen. Dieses Mal war es ein junges Mädchen, welches von der Gemeinschaft ausgeschlossen wurde. Und ich wünschte, ich hätte jetzt ein schönes Ende für euch – ein Happy End! In Wahrheit war ich aber keine Spur besser und war ebenfalls nicht besonders nett zu diesem Mädchen. Ich denke auch, dass ich dann ebenfalls ausgeschlossen worden wäre, hätte ich mich auf ihre Seite gestellt. Erst etwas später wurde mir bewusst, dass ich dieselbe Situation aus beiden Blickwinkeln erlebt habe. Ich hätte jetzt einfach behaupten können, dass ich mich heldenhaft auf ihre Seite gestellt habe. Es weiß ja schließlich keiner! Warum ich das schreibe? Na, weil ich das früher irgendwann mal so getan habe und es mir selbst „schön“ geredet habe. Ich habe es mir eingeredet und mich selbst vor der „Wahrheit“ geschützt. Obwohl, kann man da von Schutz sprechen? Das mag ich in deinem Ermessen lassen. Und du kannst ja mal deine Gedanken fließen lassen, wie du mit der Wahrheit zu dir selbst und zu anderen umgehst.

Die Blickrichtung ist entscheidend

Es ist wunderbar, wenn sich Menschen das Ja-Wort geben. Es sei denn, sie schauen dabei in unterschiedliche Richtungen. Wenn du „Ja“ sagst, dann entscheidest du dich immer für einen Aspekt in deinem Leben. Du fokussierst ein Ziel an, das du weiterhin in deinem Leben behalten möchtest oder zu dem du hin möchtest. Es entwickelt sich eine Vorstellung davon in deinem Kopf. Wenn sich ein Mensch in meinem Umfeld unsittlich verhält, fällt es mir nicht mehr schwer, ihm die Türe zu weisen. Anders sieht das aus, wenn eigentlich alles in Ordnung ist, man aber unterschiedliche Vorstellungen hat. Wenn der Respekt, die Liebe und das Verständnis in vollem Umfang vorhanden sind und man trotzdem merkt, dass man seine Energie lieber in eine andere Richtung lenken sollte. Denn sonst weichst du von deinem Plan ab und lebst um des lieben Friedens willen. Und da das auf Dauer beide unglücklich macht, sollte entweder genug Distanz zueinander geschaffen werden oder man muss sich selbst eingestehen, dass es besser ist in Kauf zu nehmen, einem „lieben Menschen“ Schmerz zuzufügen, um ihm nicht dauerhaft wehzutun.

Ich habe in meinem Leben echt viel erlebt und musste durch unzählige schwere Prüfungen durch. Ich wurde verletzt und ich habe verletzt. Das gehört zum Leben dazu, denn kein Mensch kommt durch dieses Leben durch, ohne sich hin und wieder zu denken:
„Das hätte ich besser machen können!“

Dennoch bin ich überzeugt, dass das Leben die beste Schule ist. Du wirst alles lernen, was du fürs Leben brauchst. Warum? Na, weil du es fürs Leben brauchst! So einfach ist das!

 

 

Bildnachweis für diesen Beitrag: kinder-geschwister-bruder-schwester-817365@Bessi (pixabay CC-0)

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