Der Himmel sagt

Autor: Antje Heinrich
Der Himmel sagt

Ich bin wie du

Nimm dich nicht zu ernst,
Denn nichts bleibt, wie es ist

In manchen Nächten siehst du meine Sterne, die mich strahlen lassen – klar und rein
und am nächsten Morgen schon kann ich ganz trübe sein, wolkenverhangen und grau,
doch so werde ich nicht bleiben.

Schon wenige Stunden später kann ich mich aufhellen und die Sonne sichtbar machen,
mich dir von meiner schönsten Seite präsentieren.
Doch so werde ich nicht bleiben

Denn bereits am nächsten Tag, wenn sich der Nebel lichtet,
können sich Wolken in mir türmen, Donner kann ertönen
und ich zeige mich dir von meiner bedrohlichen Seite.
Doch so werde ich nicht bleiben.

Denn irgendwann werden sich die Wolken entleert haben
und der Sturm wird abflachen. Die Wolkenberge werden sich in sanfte Wattebausche
und der Sturm zu einer sanften Briese,
die dein Gesicht streichelt, gewandelt haben.
Doch so werde ich nicht bleiben.

Denn ich bin wie du.
Und du, was kannst du tun?

Wenn du mich aufmerksam und achtsam beobachtest,

kannst du mich erkennen.

Und wenn du mich erkannt hast,
wenn du siehst, dass ich mich zuziehe,
dann kannst du Vorbereitungen treffen,
um meinem Wandel nicht schutzlos
ausgeliefert zu sein.

Du kannst dich an etwas Starkem festhalten, wenn der Wind rauer wird.
Du kannst dein Boot an Land lassen und fest vertäuen, wenn du siehst,
dass mein Gemüt unruhig wird.

Du kannst ein Haus bauen, in das du dich,
bei zerstörerischem Grollen, zurückziehen
und in Geborgenheit warten kannst,
bis ich mich beruhigt habe.

Und du kannst darauf vertrauen,
dass ich nicht so bleiben werde,
wie ich gerade bin.

Aber immer sein werde
– denn ich bin wie du.

Und so, wie du mich beobachtest, kannst du dich beobachten

und Vorbereitungen treffen,
auf dass du dir in rauen Tagen und Nächten
nicht schutzlos ausgeliefert sein wirst.

Freue dich, wenn ich aufgehellt und klar bin,
nichts deine Sicht trübt,
du die Sonne, den Mond und den Horizont
klar erkennen kannst.

Und freue dich, wenn dein Sichtfeld eingeschränkt
und trübselig ist, Wolken auf deiner Seele liegen,
darüber, dass du weißt,
dass es so nicht bleiben wird.

Alles wird sich wieder aufhellen,
dein Herz wird sich wieder öffnen
und dein Blick wieder weit werden.

Denn ich bin wie du.

 

Autorin: A.H.

Bildnachweis für diesen Beitrag: Copyright Claudia Gniffke 2021

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