Von der Angst vor der Liebe und der Suche nach ihr

Autor: Bettina Schulte
Bettina Schulte@Candice Newgas 2021!

Tinder und Co.

Zur anfänglichen Erklärung: Tinder ist eine Dating-App für die Liebe, in der man Bilder hochlädt, eine kurze Beschreibung seiner selbst hinterlässt und dann frei geschaltet wird, um andere Mitglieder zu sehen, die genau dasselbe getan haben.

Warum aber schreibe ich darüber?

Ich habe mich im Laufe meines Single-Daseins immer mal wieder in solchen Dating-Apps an- und wieder abgemeldet. Mittlerweile frage ich mich, was es damit – also mit diesen Apps – so auf sich hat.

Ein paar Bilder, eine kurze Beschreibung, vielleicht auch deine Hobbies oder ob du Haustiere hast oder einen Job und dann geht das Wischen nach rechts oder links los (rechts = gefällt mir, links = gefällt mir nicht).

Wenn dir ein Foto gefällt, schaust du vielleicht auch auf die Beschreibung… was aber, wenn dir nicht gefällt, was dann da steht? Schnell weiter gewischt!

So schön einfach und unkompliziert. Es kann ja nichts passieren!

Was aber, wenn dir jemand gefällt und du schreibst ihn oder sie an und es kommt dann keine Antwort?

Oder du schreibst und es kommt nur eine Antwort, die dir nicht gefällt?

Oder ihr schreibt ein paar Tage, trefft euch und merkt, dass es gar nicht passt?

Oder ihr schreibt wochenlang und auf einmal kommt keine Antwort mehr?

Natürlich geht es auch anders: Ihr findet euch gut, schreibt, trefft euch, seid zusammen, glücklich und dankbar, euch gefunden zu haben!

Ich habe recherchiert und daraus resultiert, dass die „Oder“-Fragen öfter vorkommen als die Variante mit Happy End!

Die Frage aber, die sich mir gestellt hat, ist: Was steckt wirklich dahinter?

Die Suche nach der Liebe

Warum meldet man sich bei Dating-Apps an?

Ich habe mal Menschen gefragt, die dort unterwegs sind; es kamen die unterschiedlichsten Antworten, ein paar davon möchte ich im folgenden auflisten:

„Ich schaue mich nur mal um, ich suche nicht …“

„Ich bin gerade Single und schaue mal was geht …“

„Ich bin auf der Suche nach einer Affäre …”

„Ich möchte eine feste Beziehung …“

„Ich suche nur Freunde …“

„Ich möchte körperliche Nähe …“

„Ich bin schüchtern und es ist einfacher, virtuell jemanden kennenzulernen …“

„Es ist einfach und ich bin bequem …“

Es kamen auch Aussagen, die ich hier mal ausspare, denn ich finde manches nicht respektvoll und das Wort auf dem Papier nicht wert.

Was ich von niemanden gehört habe, ist: Ich suche die Liebe! Die eine, die mich erfüllt!

Wenn ich mich aber so mit den Menschen unterhalte, kommt da schon auch mal die eine oder andere Andeutung oder auch ganz deutliche Aussagen, die deutlich machen, dass sie die Liebe suchen, und zwar ganz klar die große und erfüllende!

Liebe und Angst als Gegenspieler

Meine Erkenntnis daraus ist: Liebe und Angst sind so eng miteinander verbunden. Denn wenn man ganz ehrlich zu sich oder vielleicht besser zu den anderen ist, dann ist man doch immer auf der Suche nach der Liebe, wenn man sich dort anmeldet.

Ganz sicher sehr oft überdeckt von Verletzungen jeglicher Art baut man eine Mauer um sich herum auf und glaubt, in der Anonymität des Internets könne erstmal nichts passieren. Man könne nicht verletzt werden und die Mauer könne nicht eingerissen werden. Und seien wir mal ehrlich: so ist es ja auch, erstmal!

Warum aber haben wir soviel Angst, öffentlich zuzugeben, auf der Suche nach der Liebe zu sein?

Warum schämen wir uns, zu sagen; ja ich fühle mich allein und ich möchte die Liebe in einer Partnerschaft finden?

Was wurde uns denn beigebracht? Ist es Schwäche zuzugeben, dass man die Liebe vermisst? Dass man Angst hat, allein zu bleiben? Und auch Angst, verletzt zu werden?

Ich glaube mittlerweile, dass es absolut nichts mit Schwäche zu tun hat, offen zu sagen, dass man einsam ist, sich nach einer partnerschaftlichen Liebe sehnt und verdammte Angst hat, sein Herz zu verlieren und dabei verletzt zu werden.

Versteh mich bitte nicht falsch: nicht sollst du dein Leben danach ausrichten, sodass nur noch das zählt. Liebe hat so unfassbar viele Facetten, so unglaublich viele Ebenen und deswegen sollte uns nichts davon abhalten, das offen zu sagen und zu leben.

Liebe geschieht im gegenwärtigen Moment

Wir sind gerade im Moment in einer fast nur noch virtuellen Welt unterwegs, die Liebe aber geht nicht virtuell! Die Liebe geht nur echt! In Begegnungen, in Berührungen!

Liebe entsteht, wenn man den Menschen ansieht, sieht, in seiner ganzen Größe. Wahrhaftig!

Liebe entsteht, wenn du einem Menschen in die Augen siehst und den Himmel entdeckst, die Seele, die dahinter liegt!

Will man sich das tatsächlich entgehen lassen?

Dieses großartige Wesen Mensch mit all den Facetten, die dazu gehören, wirklich kennenzulernen?

Also ich nicht …

Ich habe mir vorgenommen: Ich lebe im Hier und Jetzt. Ich kann die Vergangenheit nicht ändern, die Zukunft nicht voraussagen! Aber das Hier und Jetzt kann ich leben und auch das mit all den Facetten, die es zu bieten hat!

Wenn mein Film am Ende meines Lebens an mir vorbeirauscht, möchte ich Bilder sehen voller Leidenschaft und Intensität, voller Leben und voller Liebe!

Frag dich mal, welcher Film deiner sein soll?

Mir hat mal jemand gesagt: Das Leben ist schön, von einfach war nie die Rede!

In diesem Sinne wünsche ich dir einen wundervollen Film am Ende. Und das auch, wenn er zwischendurch mal bei einer Dating-App gestrandet ist.

 

Bildquelle:
Das Foto von Bettina Schulte wurde von Candice Newgas erstellt (2020).

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