Was das Reisen bedeutet

Autor: Sina Schmitz
Was das Reisen bedeutet

Vergangenheit

Ob ich das Ausland vermisse, werde ich oft gefragt. Eben erst. Eben erst, nachdem ein Schmerz mich innerlich durchfahren hatte. Der Schmerz der Liebe. Die Gedanken schossen plötzlich wild, das Gefühl wurde groß und doch schmerzte es so sehr in meiner Brust.

Erinnerungen, Vergangenheit, Sehnsucht, Bilder, Gefühle, Gerüche, Gedanken, Musik, Berührungen… wo ist all das in uns gespeichert und versteckt? Und wo kommt es dann in einer so schnellen Sekunde her?

Tränen schossen mir in die Augen und ich musste mich krümmen, weil dieses körperliche Gefühl so intensiv war. Ich schlug meinen Block auf und schrieb nieder, was ich empfand. Malte, was ich fühlte. Und das Gefühl wurde weniger und ich konnte wieder klarer sehen.

Reisen hat für mich nicht zwangsläufig etwas mit anderen Ländern oder Orten zu tun. Reisen ist für mich das Bewusstsein der Veränderung. Nicht stehen bleiben. Nicht festhalten.

Deine Reise nach innen

Reisen ist eine innere Einstellung und die Reise nach innen wohl das größte Abenteuer, auf das wir uns begeben können. Hierzu bedarf es aber manchmal einer Veränderung im Außen. Manchmal frage ich mich, ob so eine Zeit woanders auch eine „traumatische“ Erfahrung sein kann. In letzter Zeit fällt mir auf, wie präzise einzelne Situationen in mein Bewusstsein treten. Aus dem vermeintlichen Nichts sind sie plötzlich da und es ist, als wäre ich noch einmmal in dieser Situation. Und wahrscheinlich bin ich auch in der Situation. Überall auf der Welt darf ich Menschen wissen, die ich aus der Tiefe meines Seins liebe und die ich vermeintlich schon immer kannte. Ein Wiederfinden aus vergangenen Leben. Und dann sitze ich hier all-ein und werde von diesen Gefühlen überwältigt. Kann sie an niemanden adressieren, außer diese Liebe wieder zurück ins Feld zu geben und sie auch selber anzunehmen. Aus dieser Liebe Kreativität und Schöpfung entstehen lassen, auch wenn der Schmerz schmerzlich süß ist. Denn das ist er. Wie eine Klinge, die langsam über meine Brust fährt.

Der Löwe in mir brüllt und wird auch schnell wieder sanft, sobald ich dem anklopfenden Verstand nett die Türe vor der Nase zumache.

Trennung und Einheit

Wir sind in eine dualistische Welt geboren. Selten war die Möglichkeit, getrennt zu leben größer. Nie war die Möglichkeit, in Einheit zu leben, größer. Die Wahl ist da. Die innere Wahrheit ist bereit, entdeckt zu werden. Doch die Angst ist oftmals zu groß. Nie war mir die Nächstenliebe bewusster als jetzt. In die Augen der Menschen um mich herum zu schauen. In die Augen derer, die ich bereits kenne und auch derer, die ich noch nicht kenne. Ein Lächeln, ein Wort, ein Miteinander. Mut anstatt Angst zu verbreiten. Wieder in das eigene Gefühl, die Verbindung mit der Natur zu kommen. Wo ist das hin?

Bist du mit Dir und Deiner Natur verbunden? Kannst Du eine Stimme in Dir hören, die manchmal sagt „Das ergibt für mich keinen Sinn und fühlt sich nicht richtig an?“. Eine wichtige Stimme, auf die man hören darf, mehr als ein paar Mal. Je öfter Du auf diese Stimme, Deine Intuition hörst, um so mehr wird sich Dein Weg formen. Er wird eine Form annehmen, die mit Dir und Deiner Wahrheit einhergeht. Es ist der Weg zwischen der Trennung. Dieser Weg ist eine Reise in Dein Inneres, Deine Wahrheit.

Deine Wahrheit ist die Einheit aus allem.

Wurzeln und Flügel

Reisen bedeutet, Wurzeln zu spüren und Flügel zu fühlen. Dein Körper braucht dafür nicht woanders zu sein. Eine Reise beginnt in Deinem Herzen. Dein Herz besitzt die Bereitschaft, sich zu öffnen und Neues kennenzulernen. Neue Ansichten, neue Herausforderungen, neue Ansätze, neue Gefühle, neue Einsichten … doch wie oft öffnest du Dein Herz? Und wie oft hängt ein dickes Schloss daran? Ein Schloss, welches Dich vor Wachstum und Schmerz schützen will. Doch wieso möchtest Du nicht wachsen? Über vermeintliche Ansichten hinaus wachsen, Schmerz spüren und ihn als Entwicklung erleben. Kein Wachstum geschieht ohne Schmerz. Und so durfte ich auf Reisen sehr viel wachsen, währenddessen und auch jetzt noch etwas wie Schmerz empfinden.

Das Leben ist nicht schmerzfrei

Doch woher kommt diese negative Bewertung von Schmerz? Vielleicht ist genau das Dein Leben? Abseits der Empfindungen, die Du nicht spürst. Nichts tut so weh wie die Liebe. Denn wenn Du Dir einmal dieser Liebe bewusst wirst, dann kommt sofort der Schmerz und die Angst, genau das zu verlieren. Dieses durchdringende Gefühl kann jedoch in Einklang mit Dir kommen, wenn Du Dir bewusst machst, dass Dir nichts gehört. Nichts gehört Dir und somit bist Du alles. Es sind die Begrenzungen, die uns schmerzen. Grenzen, die wir wahrnehmen können. Und doch gibt es keine Grenzen in der Liebe oder in den Gefühlen. Diese Begrenzungen gibt es auch nicht auf Deinen Reisen. Sobald Du Dein Herz öffnest, begibst Du Dich auf eine Reise. Du erlebst Dich in einer neuen Begebenheit und öffnest Dich auch einer neuen Version Deiner selbst. Niemals stehen bleiben und doch an der Stelle bleiben können, auf der Du Dich jetzt befindest. So wirst Du vom „Globetrotter“ zum „Lebenstrotter“. Welcher Reise öffnest Du Dich in den nächsten Tagen?

Betrachte einmal das Bild und frage Dich: Was habe ich mit diesen Bergen gemeinsam?