Innere Haltung bewahren

Autor: Susanne Schaarschmidt-Bihn
Innere Haltung

„Haltung bewahren“ – dieser Satz kommt mir in den letzten Wochen immer wieder in den Sinn. Ich kann dies zunächst erstmal nicht einordnen und fange mich an zu fragen, was er für mich bedeutet. Was dieser Satz „Haltung bewahren“ für mich ausdrückt. Ist es für mich eher negativ oder positiv besetzt? Ich kann es auf Anhieb gar nicht sagen, denn das Wort Haltung beinhaltet für mich auf der einen Seite etwas Starres und Festgefahrenes, auf der anderen Seite ist es ein Ausdruck von innerer Klarheit. Eine innere Klarheit, die über die Körperhaltung im Außen ihren Ausdruck findet.

Prägungen

Geprägt wurden die Worte „Haltung bewahren“ für mich durch meine Oma. Meine Oma – eine herzensgute Frau, die in ihrem Leben öfter Haltung bewahren musste, insbesondere durch die Zeit, in die ihre Generation hinein geboren wurde. Ihre äußere Haltung spiegelte in der Regel ihr gesundes Selbstbewusstsein, ihre Herzlichkeit und ihre Zufriedenheit mit ihrem Leben wider. Sie hatte eine klare Haltung, nach der sie lebte, ohne sich zu verbiegen. Gleichzeitig war es ihr möglich sich den gegebenen Situationen anzupassen, ohne ihre Haltung zu verlieren. Sie bewahrte ihre Haltung, wenn sie anderer Ansicht war. Selbstbewusst stand sie hinter ihrem Leben, obwohl es mit den damals gesellschaftlichen Regeln nicht in allem konform ging.

Meine Oma war mir immer eine wichtige Bezugsperson und ich denke, so konnte ich schon in jungen Jahren unbewusst erfahren, dass die eigene Haltung mit entscheidend für den Lauf der Dinge im Leben ist. Entscheidend ist, mit welcher Haltung ich mir und meinem eigenen Leben mit all seinen Facetten und Herausforderungen begegne. Bin ich mit mir im Vertrauen? Mit welcher Haltung begegne ich neuen Situationen? Welche Haltung nehme ich mir selbst und meinem Leben gegenüber ein?

Die eigene Haltung entwickelt sich aus eigenen Gedanken

Die eigene Haltung entwickelt sich aus den eigenen Gedanken und den eigenen Gefühlen sowie den zahlreichen Erlebnissen im Laufe des Lebens. Sie prägt auch das eigene Selbstbewusstsein. Spiegeln sich die wahrgenommenen Gefühle und Gedanken in der äußeren Haltung wider, ist man sich selbst bewusst – man ist sich seiner Gefühle und seiner Gedanken bewusst und die Haltung ist authentisch.

In diesen Zeiten, in denen so viel unterschiedliche Ansichten und Meinungen aufeinander stoßen, ist es für die eigene Zufriedenheit, für die Lebensfreude, für das „Ja“ zum Leben, umso wichtiger, sich seiner eigenen Haltung bewusst zu sein und bestenfalls diese auch zu leben.

Reflektionen

Seit einem Jahr gehe ich mit unserem Hund in die Hundeschule. Am Anfang hatte ich in diesen Stunden das Gefühl – ich gehe zur Schule, der Hund ist nur Tarnung. Ich erfuhr dort unendlich viel über meine eigene Körperhaltung und wie sich diese sofort auf die Reaktion meines jungen Hundes auswirkt. Eine sehr interessante Erfahrung für mich. Eine Erfahrung, durch die ich lernte, meine Körperhaltung bewusster wahrzunehmen und diese gezielt in der Kommunikation mit meinem Hund einzusetzen – klare Ansagen zu schaffen, oft nur durch ein Handzeichen ohne Worte.

Diese Klarheit funktioniert immer nur dann, wenn sie aus der eigenen inneren Überzeugung entsteht. Ich nehme meine innere Haltung bewusst wahr und verleihe ihr mit meiner körperlichen Haltung den notwendigen Ausdruck. Mein Hund besteht darauf, dass ich freundlich bleibe. Er ist mir gerne zugewandt, wenn ich freundlich bleibe. Ein wunderschöner Spiegel, den er mir vorhält. Sobald nur der Klang und die Lautstärke meiner Stimme meiner Durchsetzung Ausdruck verleihen, meine Körperhaltung währenddessen etwas anderes ausdrückt, komme ich nicht authentisch rüber. In der Regel ist es dann wirklich der Fall, dass sich mein Inneres eher ohnmächtig anfühlt, ich an dem Kommando zweifle oder in irgendeiner Form unsicher bin. Das Ergebnis: der Hund gehorcht nicht! Ich bin in diesen Momenten dazu aufgefordert, meine Haltung zu reflektieren und gegebenenfalls anzupassen sowie zu meiner Freundlichkeit zurückzugelangen.

Diese Erfahrung lässt sich für mich wunderbar auch in anderen Bereichen in meinem Leben umsetzen. Läuft etwas anders als geplant oder fühlt es sich für mich nicht stimmig an, hinterfrage ich nun meine eigene Haltung. Oft stelle ich fest, dass ich selbst noch nicht klar meine Ziele formuliert habe. Dass ich nicht im Einklang bin und dies auch über meine Haltung ausdrücke.

Díe innere Haltung als eigene Steuerung des Lebens

Sei dir bewusst: Mit deiner eigenen Haltung kannst du die Prozesse in deinem Leben steuern. Deine Haltung ist Ausdruck deiner Gedanken und deiner Gefühle. Sie entwickelt sich aus deiner Mitte heraus. Deine äußere Haltung spiegelt deine innere Haltung wider. Deine innere Klarheit findet ihren Ausdruck in deiner Körperhaltung. Die Haltung, die du einnimmst, ist mit entscheidend, wie die Dinge in deinem Leben laufen. Sind deine äußere und deine innere Haltung im Einklang, spiegelt es sich wahrnehmbar für andere Lebewesen in deiner Körperhaltung wider. Immer wieder hinterfrage ich meine eigene Haltung und immer wieder stelle ich fest, dass Prozesse in meinem Leben über meine innere in Verbindung mit meiner äußeren Haltung gesteuert werden.

Für mich ist es gerade im letzten Jahr sehr wichtig geworden, mich zu hinterfragen, welche Haltung ich einnehme.

Mit welcher Haltung begegne ich…
…den Menschen in meinem Leben?
…den Ereignissen in meinem Leben?
…mir selbst?

Mit welcher Haltung setze ich meine Ziele um?
Stelle dir selbst einmal diese Fragen.

Ausrichtung

Eine Übung, mit der ich gerne den Tag beginne, ist es, mir am Morgen bewusst zu machen, in welcher Haltung ich dem Tag begegnen möchte. Frage dich einmal am Morgen: in welcher Haltung möchte ich dem Tag begegnen? Nutze hierbei deinen Atem, um dich mit deiner Mitte zu verbinden, werde dir bewusst über dein Gefühl, das in dir entsteht, gehe in dieses Gefühl hinein und dann formuliere den Satz: „Ich möchte heute dem Tag in … begegnen.“

Solltest du an diesem Tag in eine Situation kommen, mit der du nicht konform gehst, die sich nicht stimmig für dich anfühlt, dann erinnere dich an deine Haltung, mit der du diesem Tag begegnen möchtest. Und genau mit dieser Haltung begegnest du diesem Augenblick. Für mich fühlt sich dieser Moment dann meist unglaublich leicht an und ein konstruktiver Lösungsansatz findet sich durch diese Herangehensweise. Probiere es einfach mal aus!

 

Bildquelle: mensch, hund © girl_tranmautritam (pixabay CC-0)

Susanne Schaarschmidt-Bihn

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