Der Wandel

Autor: Sina Schmitz
Wandel_Raupe_Schmetterling_1548465@ susannp (pisybay CC-0)

„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“

(Heraklit von Ephesus, 535–475 v. Chr.)

Wenn der Wandel, das sich stetig Verändernde und Entwickelnde bedeutet, dann ist dies niemals endend. Der Mensch strebt nach Beständigkeit und kann Veränderungen oft kaum ertragen. Festhalten und daran zerbrechen, wenn etwas oder jemand eine eigene Dynamik an den Tag legt. Der menschliche Körper ist ein Prozess, der durch den Wandel an einem bestimmten Tag aufhört zu arbeiten. Jedoch geht der Wandel weiter: Der Körper wird mit den Elementen, aus denen er bis dahin bestand, wieder eins.

Ein Wandel ist nicht zu berechnen. Man kann Prognosen erstellen und sich viele Gedanken machen. Doch ist dies nicht auch wieder ein Festhalten? Es mit dem Verstand „verstehen“ wollen. Wie fühlt sich ein Wandel an?

Fühlen ohne Kontrolle

Du kannst nicht kontrollieren, was du empfindest. Was du kontrollieren kannst, sind deine Emotionen als Reaktion auf äußere Einflüsse. Emotionen sind ein biochemischer Vorgang, der uns unter anderem stimuliert. Die Wahrnehmung einer Emotion dauert nicht länger als 90 Sekunden an. Beispiele hierfür sind Gänsehaut, du wirst rot oder dir wird plötzlich schlecht. Wenn sich dieser Zustand über diese Zeit erstreckt, dann weil du Gedanken an diese Empfindung knüpfst.

Dein Körper ist dafür ausgelegt im Moment zu leben. Etwas wirkt auf dich, du empfindest diesen Reiz und dann darf es auch wieder gehen. Doch wenn wir beginnen festhalten zu wollen, uns mit Empfindungen zu identifizieren, dann liegt es nicht fern, dass man das ein oder andere Symptom entwickelt. „Große“ Krankheiten können oft einen vermeintlich kleinen Ursprung haben, weil etwas nicht entsprechend verdaut und verarbeitet wurde. Was machen kleine Kinder? Sie lachen, weinen, tanzen, brüllen und lassen ihren Emotionen einen Raum. Doch was passiert, wenn man als erwachsener Mensch diese Impulse unterdrückt und ihnen keinen Raum gewährt? Sie können nicht „raus“ und werden in dem Wunderwerk Körper gespeichert. Und was passiert, wenn der Mülleimer voll ist? Er quillt über. Diese Reaktion wird dann oft symptomatisch betrachtet und nicht mehr mit dem eigentlichen Ursprung in Verbindung gebracht.

Der stetige Wandel durch dich

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Du wandelst dich, und zwar immer aus dem Moment, der einen Moment zuvor war. Dein weiteres Sein entwickelt sich aus deinen jetzigen Gedanken, Worten, Momenten, Erlebnissen und Gefühlen.

Wer bist du jetzt in diesem Moment? Wer warst du gestern, vor einer Woche, vor einem Monat oder vor einigen Jahren? Und wer wirst du morgen, in einer Woche, in einem Monat, in einem Jahr sein?

Wenn du an dem Bild von dir von der Vergangenheit festhält, wie willst du dann authentisch in deinem Jetzt sein? Wenn du an dem Bild festhältst, wie du in einiger Zeit sein wirst, wie möchtest du dann dein Sein im „Jetzt“ leben?

Sei doch einfach für den Moment der Prozess, in dem du dich jetzt befindest. Nimm dir die Zeit zu fühlen und zu spüren und dies dann auch leben zu können. Lasse die Emotionen zu, aber beginne sie zu beobachten, ohne direkt zu reagieren. Lasse die Wellen aus Leben und Wandel geschehen ohne zu kämpfen. Atme sie ein und wieder aus. Verstrickst du dich in Geschichten, dann bist du nicht präsent.

Die Kraft der Beobachtung

Beginne die Kraft der Beobachtung auf dich wirken zu lassen. Du brauchst nicht jeden Menschen zu beurteilen, nicht alles mitteilen oder persönlich zu nehmen. All diese Kapazität kannst du für nichts aufbewahren. Und in diesem „Nichts“ kann dann eine heilende Energie entstehen, die sich gut für dich und dein Umfeld auswirkt. Wieso können die Menschen bei Massagen, Achtsamkeitsübungen, Reiki, energetischen Behandlungen, geführten Meditationen, Yoga etc. so gut entspannen? Sind dazu angehalten nichts zu tun und lassen ihren Kopf ruhen, der nicht arbeiten braucht. Diese „Nichts-Energie“ hat eine entspannende und somit heilende Energie auf die Person. Beginne diesen Raum zu erleben.

Setze dich hin und schließe deine Augen. Mit jedem Atemzug sinkst du etwas tiefer in dieses „Nichts“. Wenn Gedanken kommen, dann lasse sie weiterziehen. Du kannst sie anschauen aber brauchst sie nicht zu bewerten oder festzuhalten. Wenn Emotionen und damit Gefühle hochkommen, lass sie sich zeigen, aber verliere dich nicht in der Geschichte. Lass den Gefühlen freien Lauf und finde dann wieder zurück zu deinem Nichts. Deine Atmung ist hier dein Weggefährte und gleichzeitig auch deine Orientierung. Von der Einatmung zur Ausatmung und wieder zur Einatmung. Zwischen den Atemzügen kannst du auch dieses „Nichts“ wahrnehmen. Bevor sich die Einatmung zur Ausatmung wandelt und umgekehrt.

 

 

Bildnachweis: Wandel_Raupe_Schmetterling_1548465 @ susannp (pixabay CC-0)